Peter Rachs Team-Kommunikation-Blog

Interessantes aus der Welt der erfolgreichen Teams und wirksamen Kommunikation

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Teamregeln - welche sind allgemeingültig?

Wie Sie mit 10 Teamregeln ein Dream-Team aufbauen.

Teamregeln und Team Entwicklung
Diese Frage zum Thema Teamregeln wird mir immer wieder gestellt. Denn fast jeder arbeitet heute im Team. Und immer wieder gibt es ähnliche Probleme: Streitereien, länger anhaltende Konflikte bis hin zu veritablen Feindschaften mit Kollegen. Es gibt Missverständnisse und Reibungsverluste. Manche Kollegen kommen ihren Aufgaben nicht nach, andere mischen sich zu sehr in die eigenen Aufgaben ein. Diese 10 Teamregeln formen Ihr Dream-Team...

 

Gibt es allgemeingültige Teamregeln? 

Ja klar, es gibt Teamregeln. Nein, im Ernst – diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Denn fast jeder arbeitet heute im Team. Und immer wieder gibt es ähnliche Probleme: Streitereien, länger anhaltende Konflikte bis hin zu veritablen Feindschaften mit Kollegen. Es gibt Missverständnisse und Reibungsverluste. Manche Kollegen kommen ihren Aufgaben nicht nach, andere mischen sich zu sehr in die eigenen Aufgaben ein. Man fragt sich beinahe, gibt es überhaupt perfektes Teamwork? Und gibt es Teamregeln, die man umsetzen kann und die zu diesem perfekten Teamwork führen?

So klar wie das Ja auf die erste Frage, muss man diese zweite Frage wahrscheinlich verneinen. Wir leben leider nicht in einer perfekten Welt. Also wird auch das weltbeste Team hier und da immer wieder mal Schwierigkeiten mit dem Teamwork haben. Der Unterschied von erfolgreichen Dream-Teams und dem, was wir alle aus dem Alltag kennen: Echte weltklasse Dream-Teams haben Regeln, die das Dream-Team-Klima sicherstellen. Wollen Sie sie kennenlernen?

Mit Teamregeln, die Teams erfolgreich machen, sind bereits hunderte von Büchern mit tausenden von Seiten gefüllt. Deshalb erfolgt die Aufzählung hier nur in aller Kürze.

Dialog und Teamregeln. Alle exzellenten Teams haben eines gemeinsam, eine exzellente Kommunikation. Diese Teamkommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass über alles offen diskutiert wird. Es gibt keine Tabuthemen. Kein Thema ist zu heikel. Jeder kann sich einbringen. Jeder muss sich einbringen. Auch über alle Hierarchiegrenzen hinweg. Dazu herrscht das nötige Vertrauen untereinander und es gibt Teamregeln, an die man sich zu halten hat. Niemand greift andere an, niemand muss sich verteidigen. Diese Art der Kommunikation verträgt keinen „König“ der anderen das Wort verbietet oder unerwünschte Beiträge abstraft. Diese Teamkommunikation braucht eigene Regeln. Und man muss diese Fähigkeit erst erlernen. Das beherrschen der Muttersprache genügt bei weitem nicht. So wie jede Fähigkeit, wie z.B. Klavierspielen, braucht auch exzellente Kommunikation viel Übung. Beginnen Sie mit einem Kommunikationstraining (für Alle, einschließlich Chef). Regelmäßig wird im Team darüber geredet, wie „gut“ die Kommunikation derzeit funktioniert.

Führung: Exzellente Teams brauchen exzellente Führung. Leider wird kein Begriff häufiger missverstanden als das „Führen“ von Mitarbeitern. Es geht nämlich nicht ums Entscheiden und Anweisungen geben. Das kann jedes Kind. Es geht ums Fördern, Coachen, entwickeln individueller Stärken, empathisches Verstehen und Unterstützen. 95% aller Führungskräfte glauben, das könnten sie schon ganz gut. Offenbar irrt sich mindestens die Hälfte, denn irgendwer muss mit ihren Führungsfähigkeiten ja unter dem Durchschnitt liegen. Und wo auch immer Sie die Grenze zu guter Führung setzen, weltklasse Führungsfähigkeiten bekommt man nicht in die Wiege gelegt. Für jede Fähigkeit, die man exzellent beherrschen will braucht man Training, sehr viel Training. Wie viel trainieren Sie an Ihren Führungsfähigkeiten, im Vergleich zu einem Profisportler?

Gemeinsame Ziele: Was jedes Team zusammenbringt, sind gemeinsame Ziele. Oder besser: ein gemeinsames Ziel. Vielleicht sogar eine Vision (wenn dieser Begriff nicht schon so abgenutzt wäre). Als Beispiel mag der berühmte Pike Place Fishmarket in Seattle dienen. Um aus den harten Kerlen, mit dem Knochenjob Fischverkäufer, ein exzellentes Team zu machen, brauchte es den gemeinsamen Traum, weltberühmt zu werden. Diese Vision war die erste Komponente eines starken Mehrkomponenten-Team-Klebstoffes. Wenn Sie ein Team neu zusammenstellen, achten Sie darauf, dass die neuen Teammitglieder den gemeinsamen Traum teilen. Damit die Wirkung dieser Komponente anhält, müssen Sie so oft wie möglich über diese Vision reden. Eigentlich täglich! Denn Sie müssen jede Entscheidung, die Sie mit dem Team treffen, an dieser Vision messen.

Toleranz: Jeder Mensch ist anders. Lässt man Teams sich zufällig entwickeln, entsteht eine Tendenz zum Gruppenzwang. Die Mitglieder werden sich immer ähnlicher. Alles, was Anders ist, wird ausgeschlossen. Aber exzellente Teams brauchen Vielfalt. Besonders die benötigten Experten sind oft etwas eigen, um nicht zu sagen exzentrisch. Teammitglieder müssen lernen, bei jedem Exzentriker auf seine guten Seiten zu achten. Und dabei die Schwierigkeiten die dieser bereitet hinzunehmen. Diese Unannehmlichkeiten sind der Preis, den ein Team für eine Spitzen-Teamleistung zahlen muss. Abweichende Meinungen werden begrüßt, „Groupthink“ ist verpönt. Es gilt der Satz, wenn 2 in einem Raum der Gleichen Meinung sind, ist einer überflüssig.

Klare Rollen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten. Je besser alle Prozesse und Abläufe geregelt sind desto besser. Hier sind klare und offene Teamregeln entscheidend. In einem Operationssaal oder auf einem Flugzeugträger weiß jeder, immer, was der andere als nächstes tun wird, sogar, wenn etwas unerwartetes passiert. Es gibt immer genau einen, der die Verantwortung namentlich trägt. Gleichzeitig ist aber jeder dafür verantwortlich, dass die Aufgabe so gut wie möglich gelöst wird. Jeder legt Hand an, wenn er etwas sieht, was liegen geblieben ist. Niemand denkt: „ist nicht meine Aufgabe“. Denn die Verantwortung für das Endergebnis tragen alle. Aber einer ist der Kümmerer, der genau diese Aufgabe immer im Blick haben sollte. Jeder darf und soll sich jederzeit einmischen. Denn Einmischung heißt immer Informationsgewinn und Hilfe für den Verantwortlichen.

Verantwortung: Teammitglieder in Dream-Teams brauchen einen besonderen Sinn für Verantwortung. Gemeint ist hier die Verantwortung für ihr ganzes Leben, für alle guten und die negativen Lebensumstände. Verantwortung dafür zu übernehmen bedeutet, niemals mehr jemand anderem die Schuld zu geben, wenn etwas nicht stimmt. Oder die Schuld bei den Umständen zu suchen. Statt dessen, schon im Vorfeld alles Menschenmögliche zu unternehmen, dass sich die Welt dorthin bewegt wo ich sie haben will. Wenn es nicht gelingt, gebe ich niemandem außer mir die Schuld daran. Doch viele können das nicht: Das „Blame–Game“ ist weit verbreitet, schon als Kind gelernt, über Jahrzehnte eingeübt und heute noch bequem. Nur, es führt auf die Verliererstraße. Immer bei sich selber anfangen und die Verantwortung selber nehmen, das ist Siegerdenken.

Hoher Qualitätsanspruch: Alle haben sich zum gleichen, hohen Qualitätsanspruch verpflichtet. Ein harmonisches Team ohne Qualitätsanspruch, wird ohne nennenswerte Ergebnisse dahin dümpeln. Die Arbeitsergebnisse des Teams werden für alle irgendwie unbefriedigend sein. Das Ergebnis ist Frustration. Ein Gefühl das viele Mitarbeiter in Organisationen kennen, wo die Kollegen zwar nett sind, sich aber niemand für die Arbeitsergebnisse interessiert. Wenn aber der gemeinsame Traum auf hohem Leistungsniveau erreicht wird, ist das mehr als nur befriedigend. Es macht Spaß, es macht stolz und es begeistert. Es schweißt das Team zusammen.

Feedback. Wo hohe Qualität erreicht werden soll, ist permanentes Feedback notwendig. Jeder muss immer offen sein für Feedback. Jeder muss willens und in der Lage sein, so oft wie möglich wertschätzendes Feedback zu geben. Teammitglieder müssen lernen, dass Feedback wertvoll für sie ist. Sie dürfen nicht verletzt und defensiv reagieren. Einfachste Feedback-Regel: Wenn dir einer Feedback gibt: „hinhören, Mund halten!“

Private Freundschaften. Studien zeigen: Private Freundschaften im Team steigern das Teamergebnis. Die Arbeit läuft schneller und reibungsloser. Man passt gegenseitig aufeinander auf. Weniger Unfälle, weniger Schwund im Lager, etc. Die Verantwortlichen in Unternehmen und/oder Team sollten gemeinsame Unternehmungen nach Feierabend und private Schwätzchen am Arbeitsplatz unterstützen und fördern. Kein Mitarbeiter kann seinen privaten Lebensanteil an der Bürotür ablegen. Auch der Chef sollte sich davon nicht ausschließen. Er muss sich ganz besonders für die privaten Themen und Probleme seiner Mitarbeiter interessieren und vielleicht auch selber öfter zeigen, dass er nicht nur Chef sondern auch ein Mensch ist. Kennen Sie die Namen und das Alter der Kinder Ihrer Mitarbeiter?

Wir-Gefühl: Dort wo es ein gemeinsames Ziel gibt, wo es teameigene Regeln gibt, wo es gemeinsame Werte gibt, eine „eigene“ Sprache und gemeinsame Rituale, dort entsteht eine Team-Identität. Das Wir-Gefühl ist das gemeinsame Wissen aller, über diese Team-Identität. Jeder weiß, wie ein Mensch, der zu dieser Gruppe gehört, so ist, was er denkt, was ihm wichtig ist und wie er handelt. Können Ihre Mitarbeiter dieses Wir-Gefühl in Worte fassen?

Zusammenfassung der 10 Regeln:

  1. Exzellente Führung.
  2. Dialog und Teamregeln.
  3. Gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Vision.
  4. Toleranz.
  5. Klare Rollen.
  6. Verantwortung: jeder fängt bei sich an.
  7. Alle fühlen sich hoher Qualität verpflichtet.
  8. Sehr viel Feedback.
  9. Private Freundschaften.
  10. Wir-Gefühl. Eine beschreibbare Team-Identität.

In so einem Dream-Team, an so einem Arbeitsplatz, haben bestimmte Verhaltensweisen keinen Platz:

  • Lästern
  • Mobbing
  • Über das Management meckern
  • Über Kunden meckern
  • Schuldige suchen
  • Konkurrenzdenken
  • Politik, Intrigen
  • Umgehen oder verletzen von Teamregeln
  • Auflaufen lassen
  • Aussitzen von Themen
  • Einsame Entscheidungen (des Chefs)
  • Drohungen
  • Tabuthemen, Denkverbote
  • „Das-ist-nicht-mein-Job-Ausreden“

 

Echtes Teamwork, mit klaren Teamregeln und vorbildlicher Kooperation im Team, ist nur in einer dazu passenden Unternehmenskultur möglich. Eine Kultur, in der es keinen Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Mitarbeitern gibt. Eine Kultur, in der jeder verstanden hat, dass er mit dem Team mehr erreichen wird, als allein. Eine Kultur, in der jeder, mit jedem über alles reden kann - und wird. In jedem Unternehmen bildet sich eine ganz eigene Kultur. Das geschieht i.d.R. ganz von selbst. In manchen Unternehmen, wird diese Kultur aber nicht dem Zufall überlassen. Die Unternehmensführung will eine ganz bestimmte Kultur etablieren und kümmert sich darum. In ca. 80% aller Unternehmen hat die Kultur aber nicht die nötige „Reife“ um exzellentes Teamwork zu ermöglichen. Man setzt dort vielleicht auf sachliche Effizienz, Leistung und Wettbewerb, was dem Teamwork unmittelbar entgegenwirkt. Die Kultur müsste erst über mehrere Stufen in Richtung Team entwickelt werden. Die Schwierigkeit dabei: Ausschlaggebend ist der Umgang der höchsten Etage mit den Ebenen darunter. Dort nimmt jede Kultur ihren Anfang. Will die Chefetage eine andere Kultur, muss der Chef bei sich selber anfangen.

Für perfektes Teamwork gibt es keinen Knopf. Es genügt nicht, den Mitarbeitern klar zu machen, dass man von Ihnen Teamwork erwartet. Keine der 10 Teamregeln funktioniert einfach so. Exzellentes Teamwork ist das Ergebnis permanenter Arbeit am Team. Das bedeutet auch, Teamregeln weiterzuentwickeln. Das Team muss dem Teamleiter extrem wichtig sein. Eine Herzensangelegenheit. Der Weg ist das Ziel. Denn man kommt nie an, beim perfekten Team.

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